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 Themenübersicht:

Jetzt Vogelnistkästen aufhängen!

Hausgäste auf Zeit: Winterliche Entdeckungen in Keller und Dachstuhl

Wintervogelfütterung - wenn ja, dann richtig!

Naturschutz praktisch: Herstellung von Fettfutter für die Winterfütterung

KINDERTHEMA: Tieren auf der Spur

Naturschutz praktisch: Herstellen von Gipsabdrücken

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Jetzt Vogelnistkästen aufhängen!

Auch wenn der Winter noch einige Wochen andauern wird, so wird es doch langsam Zeit, bereits jetzt an den Frühling zu denken. Schon an einem sonnigen oder wärmeren Wintertag sind wieder die ersten Reviergesänge der Meisen und anderer Vogelarten zu hören. Gerade die Meisen streifen nun bereits wieder zu zweit als Pärchen umher und schauen immer mal wieder nach zukünftigen Nistmöglichkeiten.

Gerade für die Höhlenbrüter ist es dabei immer schwieriger im Siedlungsraum ausreichend Brutmöglichkeiten zu finden. Da Bauland im Siedlungsbereich sehr wertvoll ist, werden große Gärten oder unbebaute Grundstücke immer seltener, auf denen Bäume auch mal ausreichend dick werden können, um Naturhöhlen zuzulassen.

Mit entsprechenden "künstlichen" Nistgelegenheiten in Form von Nistkästen kann sehr einfach dieser Wohnungsnot entgegengewirkt werden. Hierzu ist noch nicht einmal ein größerer Garten mit Bäumen notwendig. Nistkästen können auch an Pfählen oder Hauswänden angebracht werden, Sogar Aufhängen an Balkonwänden sind möglich.

Durch die Wahl der Nistkastengröße und/oder des entsprechenden Einflugloches können gezielt einzelne Arten gefördert werden. Der Satsnadardnistkasten hat in der Regel ein Einflugloch von 32-34 mm und ist für alle Meisenarten, aber auch mal für Spatzen oder Kleiber geeignet. Kleinere Einfluglöcher mit 26-28 mm Lochgröße hingegen sind besonders für Blaumeisen geeignet, da die größeren Meisen hier keine Konkurrenz darstellen. Aber auch halboffene Kästen können angeboten werden, die dann, je nach Hängung, für Rotschwänze oder auch Zaunkönig und Rotkehlchen geeignet sind.

Nistkästen und Nistkästenbausätze können im Fachhandel oder aber auch in Baumärkten erworben werden.

Im Raum Wiesbaden biete ich Interessierten auch Nistkästenbausets und fertige Holznistkästen an. Der Komplettbauset kostet hierbei 7,50 Euro. Da der Bausatz bereits für kleine Kinder geeignet ist, biete ich Sonderpreise für das Material in speziellen Nistkästenveranstaltungen (s.a. Termine und KITA- Und Schulprojekte).

Sonderaktion für Kindergärten und Schulklassen Winter/Frühling 2012:

Workshop: Wie Vögel brüten

Zunächst wird anhand naturgetreuer Vogelmodellen und anderen Materialien eine altersgerechte Einführung in die Thematik gegeben. Wo brüten Vögel (Freistehende Nester, Bodenbrüter, Höhlenbrüter). Wie kann jeder selbst aktiv werden, um einheimischen Vögeln Brutmöglichkeiten zu schaffen. Welchen Arten kann ich wie helfen? Aussehen unterschiedlicher Nester und Eier. Anschließend können mittels spezieller Bausätze Nisthilfe für Meisen oder aber auch für Zaunkönige, Rotkehlchen und Rotschwänze selber hergestellt werden.

Die Veranstaltung kostet bei 1,5 bis 2 Stunden während des Aktionszeitraumes in Wiesbaden nur 50 Euro zuzüglich den Nistkastenbausätzen zum Sonderpreis von 6 Euro/Stück.

Bitte nicht vergessen: Bereits hängende Nistkästen sollten spätestens jetzt gereinigt werden. Nistkästen, die in den letzten Jahren nicht angenommen wurden, jetzt einfach mal umhängen, das kann Wunder bewirken.

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Wintervogelfütterung - wenn ja, dann richtig!

Neben dem Aufhängen von Nistkästen ist die Fütterung von Vögeln im Winter wohl die populärste Vogelschutzmaßnahme. Bereits ab September bietet der Handel jedes Jahr ein umfangreiches Sortiment an Futterhäusern, Futtergeräten und Futter an. Parallel dazu wird über Schaden und Nutzen der Winterfütterung immer wieder kontrovers diskutiert.

Hauptargument der Fütterungsgegner ist oft, dass hierbei Unsummen sozusagen zum Fenster rausgeworfen werden, die dann für sinnvollere und wichtigere Naturschutzprojekte fehlen. Außerdem wird durch die Fütterung eine natürliche Auslese unterbunden, bei der nur die stärksten und angepassten Tiere überleben. Oft wird dazu auch angeführt, dass die Vögel durch die Fütterung ihr natürliches Futtersuchverhalten verlernen.

Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass dies nicht der Fall ist und die Vögel im nächsten Frühjahr durchaus in der Lage sind, ihre Jungen wieder alleine großzuziehen. Es muss aber auch festgestellt werden, dass aus Gründen des Artenschutzes eine Fütterung der Vögel im Winter nicht notwendig ist, da die bei uns überwinternden Vögel ausreichend an die kalte Jahreszeit angepasst sind. Arten die dies nicht können, z.B. reine Insektenfresser wie Schwalben und Mauersegler, ziehen daher in der insektenarmen Zeit in den Süden. Nur in extremen Wintern, bei denen einigen Arten die Nahrungsaufnahme durch Eis und Schnee nicht mehr möglich ist, kommt es zu größeren Populationsverlusten. So zum Beispiel bei Schleiereulen oder Eisvögeln, aber alles Arten, die von der klassischen Vogelfütterung sowieso nicht profitieren. So erscheinen normalerweise nur wenige häufige Arten, insgesamt weniger als 10 % der Brutvogelarten regelmäßig am Futterhäuschen. Bei diesen Arten konnte keine  Verbesserung des Ernährungszustand und Überlebensrate durch zusätzliche Futtergaben erzielt werden. Viele dieser Arten sind zwar mehr oder weniger Allesfresser, d.h. sie ernähren sich von tierischen und von pflanzlicher Nahrung. Die handelsüblichen rein vegetarischen  Futtermischung können aber  das tierische Eiweiß in Form überwinternder Insekten (Eier, Larven, Puppen) nicht ersetzten, das Vögel für ihr Wohlbefinden und für das Brutgeschäft im folgenden Frühjahr benötigen. Es kann bei ausschließlich vegetabiler Ernährung sogar trotz ausreichendem Nahrungsangebot zu starkem Gewichtsverlust kommen. Es konnte auch gezeigt werden, dass der Bruterfolg von Meisen mit und ohne Winterfütterung gleich bleibt.

 

Hat die Winterfütterung denn dann überhaupt einen Sinn?
Ja durchaus! Für viele Menschen ist die Fütterung der Vögel im eigenen Garten oder auf dem Balkon ein wichtiger Zugang zur Natur. Gerade für Kinder wird durch die intensive Beobachtungsmöglichkeit aus der Nähe das Interesse für die Vogelwelt und ein erstes Natur- und Umweltverständnis geweckt. Aber auch für alte, kranke und behinderte Menschen kann das Futterhäuschen im Winter oft der einzige Kontakt zur Natur sein.

Ein sachgerechtes und bewusstes Füttern der Vögel ist dann sinnvoll,  wenn es zum  Ziel hat, die Vögel den Menschen näher zu bringen!

An dieser Stelle sollte aber hinzugefügt werden, dass zusätzlich die Förderung des natürlichen Futterangebotes für die überwinternden Vögel erste Priorität haben muss. So dienen die Samen von Wildkräutern und Stauden als Futter für Körnerfresser. Ebenso wichtig sind die Früchte von einheimischen Gehölzen (z.B. Schneeball, Pfaffenhütchen). Außerdem sollte der Ordnungstrieb im Herbst möglichst bis zum Frühjahr gezügelt werden, um alte und verblühte Stauden über den Winter stehen zulassen, da in den alten Pflanzenstängeln und in Kompost- und Laubhaufen Insekten (auch als Eier, Larven, Puppen) überwintern.

 

Welches Futter ist geeignet?
Für Körnerfresser, die man an ihrem kräftigen Schnabel erkennt, werden zahlreiche Standardmischungen angeboten, die aus Sonnenblumenkernen, Hanfsamen, Getreidekörnern und gehackten Nüssen bestehen. Hierzu zählen zum Beispiel die Finken, Sperlinge und Ammern. Vögel mit einem kleinen, oft spitzen Schnabel hingegen gehören zu den Weichfutterfressern,  z.B. Drosseln, Meisen, Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle. Sie kann man im Winter vor allem mit getrockneten Insekten, Beeren, Rosinen, Haferflocken (bevorzugt in Öl getränkt) füttern. Die Futtermischungen, die nach Bedarf einfach gemischt oder ergänzt werden, können in stehenden Futterhäusern angeboten werden. Noch besser sind aber hängende Futterhäuschen oder Silos, bei denen das Futter von selbst nachrutscht und dabei immer trocken und sauber bleibt.

Zum Aufhängen eignen sich auch sehr gut Meisenknödel und Netze mit Nüssen oder Sonnenblumenkernen. Fett-Kleie-Körnermischungen sind gerade unter den Meisen, zum Teil aber auch bei Buntspechten und Eichelhähern, sehr beliebt und können leicht selber hergestellt (siehe Kinderseite).

Einige Arten hingegen fressen fast ausschließlich am Boden (Buchfink, Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amsel), entweder unter den hängenden Futtergeräten oder an eigens angelegten Bodenfutterstellen. Hierbei ist es dann besonders wichtig, die Futterstellen häufig zu reinigen, da sie schneller verunreinigen. Drossel fressen auch sehr gerne reife Äpfel, die entweder am Boden ausgelegt oder z.B. an Bäumen befestigt werden. Diese können auch bereits angefault sein, ansonsten ist immer großer Wert auf einwandfreies Futter zu legen.

 

Fütterungsregeln:
l erst beginnen, wenn der Winter wirklich Einzug gehalten hat
vorher finden Vögel ausreichend Nahrung in Form von Samen aller Art, Beeren und Insekten  Eingewöhnen an Futterstelle nicht notwendig

l nur bei wirklich kaltem Wetter, dann aber verlässlich

l Hygiene an Futterstelle wichtig:
- Futter sollte vor Feuchtigkeit geschützt sein (Gefahr Schimmelpilze)
- Futter sollte möglichst wenig durch Kot verunreinigt werden (Gefahr einer Salmonellose-Infektion)
- regelmäßige Reinigung

l als Futter ungeeignet sind:
- salzhaltige oder gewürzte Speisereste
- Brot (quillt im Magen der Tiere auf)

l Katzen dürfen sich nicht unbemerkt anschleichen können

l lieber maßvoll und regelmäßig füttern, als zu viel

l  beim Auffinden toter oder kranker Tiere sofort Fütterung einstellen (Verdacht auf Salmonelleninfektion). Alle Futterreste entfernen, Futterstelle desinfizieren.

 

Herstellung von Fettfutter für die Winterfütterung

Zutaten:
500 g - 1 kg Fett (Rindertalg; Palmin)
500 g Weizenkleie
Sonnenblumenkerne, Hanf nach Belieben
Salatöl

Herstellung:
- Fett klein schneiden und schmelzen

- Weizenkleie unterrühren

- Schuss Salatöl zugeben (verhindert bei großer Kälte Härte und Brüchigkeit)

- Sonnenblumenkerne und Hanf nach belieben zumischen

- geeignetes Gefäß vorbereiten (Tonblumentopf): durch Wasserloch Fichtenzweig stecken (an den dünnen Reisern können sich Vögel beim Fressen festhalten, das dicke Zweigende dient zum Aufhängen des Blumentopfes an einen Ast)

- noch warme Masse einfüllen

Tipps:
- es könne auch halbierte Kokosnusshälften verwendet werden; dann vorher Aufhängung befestigen (Loch bohren) und nachträglich Ästchen zum Festhalten reinstecken

- beträgt das Mischungsverhältnis 5-6 Gewichtsanteile Fett auf 1 Teil Kleie, so erhält man eine gießbare Masse. Diese kann dann für Baumläufer, Spechte und Schwanzmeisen auf rissige Borke alter Bäume gestrichen werden.


 

KINDERTHEMA: Tieren auf der Spur
Das ganze Jahr über können wir Tierspuren entdecken

Hallo Kinder! Vielleicht habt ihr diesen Winter Glück und könnt draußen im Schnee spielen. Besonders in der kalten Jahreszeit fallen immer wieder Trittspuren von Tieren im Schnee auf. In der Stadt sind dies vor allem Spuren von Hunden, Katzen oder auch Vögeln. Auf Feldwegen oder im Wald könnt ihr mit etwas Glück auch Trittspuren von Rehen, Wildschweinen oder Füchsen entdecken. Aber auch wenn der Schnee ausbleibt oder auch schon wieder geschmolzen ist, können wir das ganze Jahr über Tierspuren entdecken. Schaut doch mal auf matschigen Wegen genau nach! Oft sind neben den zahlreichen Menschen- und Hundespuren noch andere Spuren zu entdecken.
Katzen, Hunde und Füchse hinterlassen typische Abdrücke ihrer Ballen, auf denen sie weich gepolstert laufen. Das Trittsiegel der Hauskatze ist fast kreisrund, Krallenabdrücke fehlen. Insgesamt sind die Abdrücke sehr klein, etwa 3 cm im Durchmesser. Das Trittsiegel des Hundes kann in der Größe natürlich stark variieren, je nach dem wie groß der Hund war, in der Regel sind die Abdrücke aber größer als bei Katzen und die Krallen drücken sich auch ab. Auch an der Abfolge der Abdrücke, die bei Hunden meist unregelmäßig sind, kann man Hunde, die mal hier mal da schnüffeln oder auch herumtoben, leicht von Katzen unterschieden. Das Trittsiegel des Fuchses ähnelt sehr dem des Hundes. Bei Füchsen liegt aber der große hintere Ballen hinter allen anderen kleineren Vorderballen, beim Hund liegt der Hinterballen teilweise zwischen den mittleren Ballen.
Ganz andere Abdrücke hinterlassen Rehe und Hirsche. Sie gehören zu den Huftieren und hinterlassen entsprechende doppelte Hufabdrücke. Beim Reh ist ein solcher Abdruck etwa 4 cm lang, beim Rothirsch 6-9 cm. Schöne Abdrücke könnt ihr leicht mit nach Hause nehmen und euch eine Spurensammlung anlegen, wenn ihr sie mit Gips ausgießt (s. beigefügte Anleitung).

Aber viele Tiere hinterlassen auch noch andere Spuren, die ihr mit etwas Geduld leicht aufspüren könnt. Im Winter sind zahlreiche Nester von Vögeln besonders gut zu entdecken, die zu anderen Jahreszeiten sicher vom Laub verdeckt werden. Im Frühjahr bauen Rabenkrähen und Elstern auch in der Stadt in hohen Laubbäumen bereits ihre Nester. Während Rabenkrähen aus einzelnen Stöckchen große typische Nester bauen, erkennt ihr Elsternester  gut an ihrer runden Form und ihrer Größe. Am Waldrand oder in größeren Parks könnt ihr auch Mäusebussardhorste entdecken, die nun bereits wieder neu benutzt werden.
Genauso spannend wie die Trittspuren sind auch die „Hinterlassenschaften“ zahlreicher Tiere, die bei genauem Hinsehen zahlreich im Wald oder auf Feldern und Wiesen entdeckt werden können. So leben Rehe und Hasen oft tagsüber sehr versteckt, aber die Köttelchen sind oft gut zu entdecken. Auch zahlreiche Igel verraten sich nur durch ihre schwarzen etwa 1cm dicken und 8 cm langen „Würmchen“.

Herstellen von Gipsabdrücken

benötigtes Material:
Gips (schnellhärtend, aus Baumarkt)
Rahmen (Blech, Plastik, Pappe)
Seifenrest
Wasser
Gummibecher zum Gipsanrühren

- Tierspur zunächst vorsichtig durch Ausblasen reinigen
- passenden Rahmen vorsichtig aber fest in Untergrund drücken, sodass der flüssige Gips später nicht mehr entweichen kann
- Wasser nach Augenmaß (lieber etwas mehr) in Gipsgefäß geben
- durch Zugabe geraspelter Seife eine Seifenlauge herstellen
- Gips nach und nach zugeben, bis ein Gipshäufchen entsteht, das bis an die Wasseroberfläche oder knapp darüber hinaus reicht
- einige Minuten ruhen lassen
- kurz durchmischen (zu viel Rühren eher ungünstig)
- flüssigen Brei vorsichtig in vorbereitete Form gießen
- nach Aushärtung (15-30 Minuten) Gipsblock vorsichtig von Spur lösen
- nur grobe Verunreinigungen lösen, ansonsten weiter trocknen lassen
- wenn Gipsabdruck ganz ausgehärtet (kann 1 Tag dauern) Verunreinigungen abkratzen oder -bürsten, eventuell auch abwaschen
- Spur eventuell durch Bemalung mit Wasserfarben hervorheben

 

Hausgäste auf Zeit:
Winterliche Entdeckungen in Keller und Dachstuhl

von Stefan Bosch

Draußen rieseln dicke Schneeflocken auf die Erde, als ich die Kellertreppe hinabsteige. Ich schalte das Licht ein und nehme eine Bewegung an der Kellerdecke wahr, ganz oben, wo die Reisekoffer auf dem Schrank gestapelt verstauben. Ein Tier? Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der bewegte Fleck als ein Bote aus sonnigeren Tagen: Ein Tagpfauenauge!

Wenn es draußen kalt wird, zieht es viele Tierarten in die Wärme und Geborgenheit menschlicher Bauwerke. Besonders Keller, Garagen, Scheunen, Dachstühle, Vorrats- und Abstellkammern erfüllen die Ansprüche an ein gutes Winterquartier. Viele Tiere überbrücken die kalte, nahrungsarme Jahreszeit ohne eigentlichen Winterschlaf, sie halten einfach Winterruhe in einer Umgebung, in der sie nicht aktiv und damit Energie verbrauchend leben müssen und in der sie nicht Gefahr laufen, in Frostperioden zu erfrieren. Zielsicher entdecken sie Spalten, Ritzen, Fugen oder lockere Dachziegel, die ihnen Zugang zu unbeheizten Räumen ermöglichen.

Schutz im Ersatzfelsen

Für viele Arten sind Gebäude "Ersatzfelsen", die natürlich ebenso genutzt werden wie Steinspalten und Höhlungen. Keller und andere Nischen weisen einige Übereinstimmungen mit den ökologischen Qualitäten von Säugetierbauten auf in Bezug auf Dunkelheit, Temperatur und Feuchtigkeit.

Selbst echte Winterschläfer zieht es gerne zum Schlummern auf Dachböden und in Feldscheunen. Siebenschläfer fallen im Herbst auf, wenn sie mit viel nächtlichem Radau Nahrung und Nistmaterial eintragen. Fledertiere wie Zwergfledermaus oder Breitflügelfledermaus schätzen unterirdische Räume. Oft wird ihre Anwesenheit nicht bemerkt, wenn sie sich in Spalten und Ritzen verkriechen. Weitere Säugetier-Gäste können Gartenschläfer und Spitzmäuse sein. Mäuse entdecken im Herbst ihre Vorliebe für Gebäude, besonders in Siedlungsrandlagen. Ihnen dienen nicht nur vorhandene Lücken als Zugang, sie nagen sich auch durch Verkleidungen. Lärmend tragen sie Nüsse und andere Nahrung ein. Am Stadtrand gesellen sich zu den Hausmäusen gerne Gelbhals-, Wald-, Rötel- und Feldmäuse, die aus Feld und Wald zuwandern. Im Gegensatz zur Hausmaus haben Feldmäuse im Winter keinen Nachwuchs.

Krötenfalle Lichtschacht
Amphibien suchen zur Winterruhe feuchte aber frostfreie Schlupfwinkel auf, denn als wechselwarme Tiere sinkt ihre Körpertemperatur mit der Umgebungstemperatur. Gelegentlich verirren sich Frösche und Kröten in Lichtschächte oder andere Nischen am Bau. Für manche werden sie zur Falle, denn aus tiefen Schächten gibt es später im Frühling kein Entrinnen.

Klettert man an Wintertagen in den Dachstuhl, trifft man häufig auf überwinternde Schmetterlinge und Florfliegen. Schmetterlinge nutzen alle Strategien der Überwinterung: Je nach Art wird als Ei (Frostspanner), Raupe (Apfelwickler), Puppe (Kohlweißling) oder ausgewachsener Schmetterling die kalte Jahreszeit überdauert. Admiral und Distelfalter wandern im Herbst Richtung Süden über die Alpen. Ungeschützt sitzen dagegen draußen im Frost die Zitronenfalter an einem Zweig. Ein spezielles Winterprogramm macht sie gegen Kälte unempfindlich: Wasserausscheidung konzentriert ihre Zellsäfte, der Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten wird gesenkt und Glycerin als Frostschutzmittel gebildet. Dagegen müssen die Weibchen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs frostfreie Quartiere aufsuchen, bis sie im Frühling die Sonne und warme Temperaturen wieder hervorlocken. Dann legen sie ihre Eier ab und sorgen für die nächste Generation bunter Sommergaukler. Gelegentlich werden sie im Dachstuhl von Langohr-Fledermäusen verspeist.

Auch Marienkäfer fallen in Winterstarre

Schmetterlinge verfügen über keine großen Energiereserven. In warmen Räumen erwachen sie, verbrauchen ihren Kraftstoff und sterben vorzeitig. Aufgefundene Schmetterlinge sollten in einen kühlen, unbeheizten Raum verbracht werden, in dem sie ungestört bis zum Frühling ruhen. Ähnlich ergeht es Marienkäfern und Florfliegen. Florfliegen findet man völlig verändert unterm Dach. Sind die zarten Flügel der als Blattlausvertilger geschätzten "Goldaugen" im Sommer grün gefärbt, sorgt im Winter der Farbstoff Karotin für ein rötliches Aussehen. Marienkäfer sammeln sich gerne scharenweise zum Beispiel in Spalten der Fensterrahmen zum gemeinsamen Überwintern. Leicht werden die leblos wirkenden Käfer für tot gehalten und weggekehrt. Beide Arten sollten in kühlen Räumen ruhen und vor dem Frühjahrsputz sicher sein können.

Weniger beliebte Gäste dürften die Stechmücken sein, die sich mitunter in Massen in kühlen Kellern einfinden. Mit den draußen in der Wintersonne tanzenden Mückenschwärmen haben sie nichts zu tun, bei ihnen handelt es sich um Winter- oder Stelzmücken, die erst bei vier Grad Celsius aktiv werden und sich im Winter paaren. Zu unrecht ungeliebt sind Spinnen und Weberknechte, die die ersten kalten Nächte in Keller und Wohnungen treibt. Das Jahr über leben sie in Gärten, Parks und Anlagen. Heimische Spinnen sind harmlos und nützliche Insektenjäger. Die langbeinigen Weberknechte kommen in mehreren Arten bei uns vor und sind ebenfalls harmlos. Manche legen ihre Eier in Gebäuden ab und sterben dann, andere überwintern gesellig, indem sie miteinander über Beinkontakt Verbindung halten und sich bei Störungen gegenseitig alarmieren.

Wintergäste tolerieren
Stubenfliegen gibt es das ganze Jahr. Im Winter sind sie seltener, den sie vermehren sich jetzt langsamer. Meist kommen sie dann nur in Ställen vor, von denen aus sie im Frühjahr auf kilometerlangen Flügen alle Stuben in Land und Stadt wieder in gewohnter Zahl besiedeln.

Die Beispiele zeigen, wie viele Tierarten unsere Gebäude als Überwinterungsnische nutzen. Die meisten von ihnen können mit etwas gutem Willen problemlos als Wintergäste toleriert und beherbergt werden. Dabei eröffnet sich die Chance, Wildtiere mit interessanten Lebensweisen live kennen zu lernen und hautnah zu beobachten.

Quelle: www.nabu.de

 

(c) Nadu-Natur 2012